Nun aber der Reihe nach...Nach einige erholsamen, sonnigen Tagen in Esperance, dem Badeort von West Australien, zog es uns weiter Richtung Inland. So führte uns die Reise zum Etappenziel "Norseman", dem Gateway zum Nullabor Plain. Hier würde man links abzweigen, wenn man die Steppe/Wüste von ca 1200km selber durchfahren will. Nun, wir hatten uns ja für die Variante "Zugfahren" entschieden und so fuhren wir weiter nach Norden. Wir wussten, dass die nächsten Tage sicher wieder sehr warm, resp. heiss sein werden und stellten uns dementsprechend darauf ein (z.B. genügend Wasser auf die Etappen mitnehmen). Damit wir doch noch einige angenehm 'kühle' Fahrstunden hatten, standen wir nun regelmässig früh auf, um bei Sonnenaufgang losfahren zu können.
Wir waren nun auf einer Achse mit etlichen mehr Road-Trains (Lastwagenzügen mit 3-4 Anhänger). Nach Norseman kamen noch die Express-Lastzüge der Ostküste dazu und in einzelnen Abschnitten war es dann doch recht mühsam, da uns ca. alle 2-3 Minuten ein solcher Road-Train überholt hat. Uff, dann hiess es jeweils, das Bike richtig festzuhalten, sich auf die Strasse zu konzentrieren und abzuwarten, bis uns der Lastenzug überholte. Er fegte uns mit seinem Fahrwind jeweils fast von der Strasse. In einzelnen Fällen war es sicherer, anzuhalten oder auszuweichen. Kreuzte uns ein Road-Train auf der Gegenseite, so wurden wir oft mit feinen Kieselsteinen oder Sand 'beworfen' und der Gegenwind brachte uns fast zum stillstehen. Die Road-Trains waren also eine echte Herausforderung für uns.
Die Landschaft wurde zunehmen 'minenhafter'. Wir waren nun in einer Gegend, wo Gold, Nickel, Kohle, Uran und andere Mineralien abgebaut werden. Vereinzelnd sahen wir Krater, welche auf ehemalige Ausgrabungen schliessen liessen - oftmals Gold. Ebenfalls säumten Schilder wie 'Mine Site' die Strasse. Da stellten wir uns natürlich gleich die Frage: Würde wir wohl ein Nugget finden, wenn wir danach graben würden? Tia, die Antwort liess auf sich warten...
Vom Goldfieber gepackt, folgten wir mit einem 4WD Jeep dem historischen Pfad der Goldsucher ins Outback. Dort, in einem abgelegenen Pub wurden wir fündig! Wir trafen einen waschechten Goldgräber, der uns ein echtes Nugget zeigte, welches er vor zwei Tagen gefunden hatte - wau, wirklich eindrücklich. Wir waren auch sehr erstaunt über das Gewicht des kleine Schatzes. Nun, leider durften wir ihn nicht behalten (Wert ca. 250 Aussie-$). Troztdem wird uns der bärtige, symathische Goldgräber mit seinen verstaubten Kleidern in Erinnerung bleiben.
In Erstaunen versetzte uns auch der Super-Pit in Kal. Es handelt sich hier um eine noch aktive Goldmine, welche im Tagabbau betrieben wird. Die Maschinerie ist gewaltig. 32 Riesenkipper transportieren tonnenweise Gestein aus der Grube, welche mit zwei Sprengungen pro Tag losgelöst werden. Es wurde uns gesagt, dass von neun solchen Kipper-Ladungen gerade eine weiter auf Gold untersucht wird, resp. in den Schmelzprozess überführt wird...und es lohnt sich allemal...der Betrieb macht im Tag ca. eine halbe Million Gewinn.
Wir liessen die Suche nach Gold aber dann doch sein (sonst hätten wir den Urlaug bestimmt verlängern müssen) und bestiegen am 23. Dez. um 22:30 Uhr den Zug nach Adelaide. Die nächsten 30 Stunden verbrachten wir im Indian-Pacific Train und legten rund 1200km zurück, durch das Nullabor Plain. Wir hatten ein Schlafabteil gebucht und unsere kleine Kabine war tagsüber ein Sitzabteil und konnte in der Nacht in ein "Schlafzimmer" umgewandelt werden. Das ganze war wirklich raffiniert durchdacht, wir waren beeindruckt und begeistert.
Wir genossen das vorwärtskommen ohne zu "trampen" und konnten die herrliche Landschaft betrachten. Auch eine Wüste hat ihren Reiz, sagt man, und auch wir machten diese Erfahrung. Wir sahen wilde Kamele (leider war die Fotokamera nicht gerade griffbereit), die Vegetation wechselte zwischen hohem Buschland (also noch fast-Bäume), zu kargem Gebiet mit nur verdorrten Grässern und sehr kleinem Busch (das eigentliche Nullabor Plain) bis zu roter Erde mit etwas höheren Büschen (vor Adelaide).
Am heiligen Abend feierten wir mit anderen Reisenden aus verschiedenen Ländern im Esswagen Weihnachten und sangen in verschiedenen Sprachen Weihnachtslieder...englische, deutsche, holländische, schwedische und französische. Es war eine spezielle Weihnachtsfeier, sie war lustig und unterhaltsam. Troztdem kam etwas Heimwehstimmung auf.
Die sonst pulsierende Stadt Adelaide erlebten wir am Weihnachtstag sehr ruhig. Es war fast wie in einer Geisterstadt.
Am 27. setzen wir uns dann wieder auf die Fahrräder und setzen unsere Reise in Richtung Melbourne fort. Wir freuten uns, nach der Zeit im Zug und dem Autenthalt im Hotel wieder mit eigener Kraft voranzukommen und zu campen. Natürlich hofften wir auch, dass wir nun die wirklich heissen Tage hinter uns hatten. Die ersten beiden Tage fuhren wir durch verschiedene Weingebiete, unter anderem durch das McLaren Vale. Danach folgte die bekannte Touristenroute entlang der Fleurie Peninsula. Am 31. Dezember erreichten wir Goolwa, ein kleiner Ferienort, an dem der Murray River ins Meer mündet. Silvester war mal wieder ein Hitzetag und wir waren froh, dass es einen Pool auf dem Campingplatz hatte, der uns und den vielen anderen etwas Abkühlung brachte.
Am Nachmittag kühlte es mit viel Wind ab und wir waren wiederum froh, ein sturmsicheres Zelt zu haben. Andere Camper waren nicht in dieser glücklichen Lage. So gesehen verabschiedete sich das alte Jahr etwas stürmisch von uns :-). Wir gönnten uns ein typisch australisches BBQ und rutschten wie schon am Anfang erwähnt, schlafend ins Neue Jahr.
Am 2. Januar umfuhren wir zwei riesige Seen mit Süsswasser (Lake Alexandrina und Lake Albert). Danach folgte ein längerer wunderschöner Küstenabschnitt der unter Naturschutz steht, der Coorong. Da wir ideale Radler-Bedinungen und auch für einmal keine Gegenwind hatten, beschlossen wir, gleich bis Kingston durchzufahren. Phuu.., geschafft nach 150 km und mit etwas mehr Schmerzen am Füdli erreichten wir happy zur Apérozeit Kingston.
Seit Weihnachten hat der Reiseverkehr auf den Strassen Australiens merklich zugenommen. Die Aussie's hatten nun Sommer-Ferien und begeben sich an die Küsten zum Baden, Surfen, Fischen oder einfach zum Ausspannen. Es wurde nun auch teilweise schwieriger, einen freien Campingplatz zu bekommen. Von nun an hiess es also den nächsten Tag vorauszuplanen und zu reservieren.
Mittlereweile sind wir nun im Staate Victoria angelangt und mussten unsere Uhren nochmals um 0.5 Stunden vorstellen. Wir werden nun den wohl berühmtesten Küstenabschnitt Australiens befahren, die 'Great Ocean Road' und hoffen auf gutes Wetter (letztes Mal, als wir hier waren, hat es geregnet und es war bitterkalt). In ca. einer Woche werden wir Melbourne erreichen und dann mit der Fähre nach Tasmanien fahren.