In der Kürze...
Nach Delta Junction begaben wir uns zurück in
die „Wildnis“. Anfänglich folgten wir dem während dem 2. Weltkrieg erstellten
Alaska Highway (ALCAN) nach Tok, um dort unsere Vorräte für den Tailor Highway,
respektive den „Top of the World Highway“ aufzurüsten. Auf dem letzteren verliessen
wir Alaska am höchsten Punkt des Highways (ca. 1200 m.ü.M.) und die Reise ging
im Yukon weiter. Danach ging es über den Klondike Highway nach Carmacks, dem
Ausgangspunkt für unsere Zusatzrunde über den Cambell Highway zur südlichen
Canol Road. Auf diesem wiederum nicht-asphaltierten Highway radelten wir dann
über Johnson’s Crossing zum ALCAN zurück und dann weiter nach Whitehorse. Nach
einem Tag Pause rief uns bereits wieder die Strasse und wir machten uns auf
nach Haines Junction, resp. Haines, wo wir die Fähre nach Prince Ruppert nehmen
werden.
Im Detail...
Bevor wir Delta Junction verliessen – der Ort,
an dem der Alaska Highway nach ca. 1422 Meilen endet, kauften wir noch eine
Angelrute, damit wir bei all den vielen kommenden Seen und Flüssen unser Glück
auf frischen Fisch versuchen konnten. Danach ging es endlich los. Auf dem Weg nach
Tok besuchten wir kurz nach Delta Junction eine Wurstfabrik und dort durften allerlei
feine Wurstwaren probieren (Büffel, Elch,
Caribou, Schwein, Gemischtes, usw.). Unvorstellbar, aber die Würste
waren sehr gut und so stockten wir unser Vorräte nochmals auf. Gerade als wir
das ‚Achtung Elch’ Schild passiert hatten, siehe da, sahen wir unweit der
Strasse eine Elch-Mama mit ihrem Kleinen. Später trafen wir noch auf weitere
Elch-Kühe.
In Tok kauften wir nochmals ein, stärkten uns
mit Kaffee & Kuchen. Eine Extraportion zu Essen im Gepäck zu haben, hat
sich hier in Alaska/Yukon schon mehr als einmal bewährt. Teilweise sind die
Läden und Restaurants, welche in den Führer stehen, geschossen. Danach zogen wir
bei prächtigem Sonnenschein weiter zur Abzweigung des Taylor Highway. Eigentlich
wollten wir dort im Roadhouse noch Trink-Wasser füllen. Jedoch fanden wir wegen
Geschäftsaufgabe nur verschlossene Türen vor. Das hiess, dass wir unterwegs
Wasser von einem Bach mitführen mussten, da sich dieser Highway laut Aussagen
von anderen Radfahrern durch die Anhöhen schlängelt und ab einer gewissen Zeit
kein Bach mehr anzutreffen ist.
Am nächsten Tag ging es dann stetig auf und ab
– mehr auf als ab – nach Chicken, einem legendären Goldgräber-Ort. Unterwegs
sahen wir unseren ersten roten Fuchs, der etwas argwöhnisch aus dem Gebüsch
blickte. Die asphaltierte Strasse endet kurz vor Chicken. Da es kürzlich geregnet
hatte, setzte sich der braune Schlamm zwischen Schutzblech und Rad fest. All
die Wohnmobiles und Autos aus der Gegenrichtung waren braun eingefärbt. Chicken
selber ist nicht gross und besteht vor allem aus nostalgischen
Goldsuch-Maschinen, zwei Tankstellen, Souveniershops, einigen Cafes und RV
Parks. Es ist ein kommen und gehen.
Nach einem längeren Anstieg auf der feucht, schlammigen Strasse erreichten wir die
Verzweigung zum Top of the World Highway und einige Stunden später, immer noch
aufwärts radelnd die Grenze Alaska – Kanada/Yukon. Auf dem Gipfel ging trotz
der Sonne ein kalter Wind und das z’Vieri nahmen wir im Schutze eines Strauches
ein. Danach radelten wir noch einige wenige Kilometer weiter. Dabei begegnete
uns ein Caribou Hirsch mit Gefolge...d.h. nein, eine ganze Herde erblickten wir
auf der Anhöhe. Unglaublich beeindruckend! Da die Grenze um 20:00 schliesst,
hatten wir ab dann auf unserem privaten Campground Ruhe...es ist erstaunlich,
wie sich Stille ‚anhört’. Wir waren noch nie an einem so stillen Ort.
Bis Dawson City war der Weg sehr
abwechslungsreich und verlief auf dem Grad, kanadisch sanft sinkend (d.h. auf
und mehr ab). Dabei durften wir nochmals eine sehr nahe Begegnung mit einem Fuchs
erleben. Zusätzlich lief ein eisgraues Murmeli mit uns auf der Strasse um die
Wette – es musste aber schliesslich aufgeben.
Dawson City ist eine alte Goldgräber Stadt, wo
die Häuser noch wie vor hundert Jahren aussehen, resp. z.T. so gebaut werden,
damit das Stadtbild bewahrt wird. Ihre Bewohner sind vorallem auf ihre Strassen
stolz und so werden diese nicht asphaltiert. Zum Glück hatten wir gutes Wetter.
Dies war auch nötig, da gerade eine Musik-Festival im Gange war.
Dementsprechend war die Zimmersuche sehr schwierig und das einzige Bett für
eine Nacht fanden wir im zentralen 5. Av. Bed
& Breakfast. Auch die Campgrounds waren alle voll belegt. So
genossen wir den Abend und den halben darauffolgenden Tag in Dawson und konnten
endlich mal wieder unseren Kaufrausch ausleben und uns an den kulinarischen
Köstlichkeiten freuen.
Die eine Nacht genügte uns in der Stadt und es
zog uns bereits weiter in Richtung Carmacks, wo wir eine Zusatzrunde über den
Cambell Highway und die verlassene Canol Road eingeplant haben. Die Wilderness
hat es uns angetan und wir genossen die Einsamkeit weg vom grossen Verkehr
sehr. In den folgenden Tagen trafen wir immer mal wieder auf Britta und Bernd, im
Moose Creek Campground hatten sie bereits den Ofen angefeuert, damit wir unsere
nassen Sachen, da es wieder mal regnete, trocknen konnten. Als Überraschung
durften wir sogar vom frisch gefangenen Fisch probieren. Besten Dank nochmals.
Unsere Versuche bis dahin, einen Fisch zu angeln, waren leider ergebnislos.
Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns von B
& B, da sich unsere Wege im Yukon ziemlich sicher nicht mehr kreuzen
werden. Auf der Strasse machten wir aus der Ferne ein schwarzes Tier aus. Etwas
mulmig war uns ja schon zumute und beim Passieren der besagten Stelle sahen wir
dann keine 40m entfernt die Mutter des schwarzen Bärenbabies stehen. Ok, ruhig
weiterradeln, die Mama hatte zum Glück gerade etwas besseres zu tun.
Man stelle sich vor: Es ist da ein kleiner See
umgeben von Wald. Die Sonne lacht vom Himmel und lässt tausend kleine Funken im
See glitzern. Am Ufer steht ein kleines Blockhaus. Zwei Radler nehmen im kühlen
Nass ein Bad und lassen sich danach am Feuer aufwärmen. Im nahen Wald hört man
am frühen Abend die Weisskopfseeadler und in der Dämmerung die Eule rufen. In
der Ferne macht sich ein Wolf durch sein Geheule bemerkbar. All dies erlebten
wir am Tatchun Lake, ab von jedem Highway, einfach pure Wildnis. Ein Traum –
der nur noch mit einem frisch gefangenen Fisch zu überbieten gewesen wäre.
In Carmacks haben wir wiederum unsere Vorräte
ganz unter dem Motto: ‚Never miss a chance’ für die nächsten Tage aufgerüstet,
da es unklare Aussagen über Versorgungsmöglichkeiten in den zwei Ortschaften
auf dem Weg gab. Danach radelten wir los, um die Gegend von Faro und Ross
River, beides Minen-Städte (Faro war bekannt für Zink mit grösstem Tagabbau) zu
erkunden. Auf dem Weg dorthin campierten wir am little Salmon Lake, wo Patrick
wieder einmal seine Fischerrute auspackte und sein Glück probieren wollte. Ganz
überrascht waren wir, als er nach kurzer Zeit einen 60cm grossen Fisch, es war
ein Northern Pike (Kanadischer Hecht), an der Angel hatte. Wau, somit gab es ca.
1kg Fisch mit Reis zum Abendessen, sooo guet! Bernd, an dieser Stelle
herzlichen Dank für deine Inspiration – es hat sich gelohnt J.
Nach Ross River – der Ort war nicht wirklich
sehenswert und Kaffee gab es auch keinen – drehten wir auf die südliche Canol
Road ab. In den kommenden drei Tagen begegneten uns täglich ca. 3 Auto – nun
ja, die Strasse war auch nicht in einem super guten Zustand. Zu Beginn sah man
auf der Strasse viel Bären-Kot da hier viele Beeren wachsen. Etwas mulmig war
uns dann jeweils schon. Daher fuhren wir auch entsprechend vorsichtig und
machten mit unseren Glocken viel Lärm. Doch anscheinend war dies zu wenig laut.
Am zweiten Tag kam uns nach einer Rechtskurve ein Schwarzbär auf der Strasse
entgegen. Da der Bär weder rechts noch links (steile Wand, resp. Abhang) keine
Ausweichmöglichkeit hatte, repetieren wir uns beide all unser Wissen, welches
wir aus den Bären 1x1 gelernt hatten und sprachen uns Mut zu. So stiessen wir
langsam unsere Räder zurück auf die nächste Anhöhe, damit der Bär rechts weg
konnte, was er auch tat. Puh, ging doch alles gut. Weiter ging es in Richtung
Johnson’s Crossing.
Rund 100 km vor Erreichen des Alaska Highway
passierte dann das kleine Unglück. Yvonne klagt über komische Geräusche am Heck
des Rades. Oh weh, beide Trägerstangen des Gepäckträgers sind gebrochen. Was
nun? Kurzerhand waren Eisensägeblatt, alter Zelthering und viel Klebband (Marke
Gorilla) zur Hand um die Trägerstangen wieder anzukleben, resp. zu verstärken.
Dabei wurden diese rechts und links mit Holzästen geschient und mit Kabelbinder
fixiert. Hoffentlich hält diese Konstruktion die nächsten Kilometer. Wir
vermuteten, dass die nächste Schweissmöglichkeit erst im 200km entfernten
Whitehorse sein wird. So war es dann auch. In Johnson’s Crossing gab es zwar
die berühmten Cinnemon Bums, feinen Fisch und leckere Backwaren, aber keinen
Schweisser. Tja, so schlemmten wir halt ein wenig...
In Whitehorse angekommen, liessen wir zuerst
den Gepäckträger reparieren. Er sieht nicht mehr ganz so schön aus, dafür hält
er wieder. Whitehorse selber ist eine Stadt, in der man sich einige Tag
verwöhnen lassen kann. Vor allem Klondike Rip & Grill ist zu empfehlen
(Bisonfleisch oder Salmon...sooo fein). Wir
studieren lange die Wetterprognosen und überlegten hin und her. Die Aussichten
waren wie schon so oft – Regenschauer oder Regen. Dennoch entschieden wir uns,
in den Pfannenstil von Alaska – nach Haines zu fahren – und schmiedeten wieder
Pläne für die Weiterfahrt. Dieses Wegstück sollte in 5 Tagen zu schaffen sein.
Da es in dieser Gegend an 250 Tagen im Jahr regnet, waren wir sehr auf die
kommenden Tage gespannt und rechneten uns aus, wo es allfälligen Schutz gäbe,
falls es wirklich immer regnen würde. Schlussendlich schafften wir die Strecke
in 4 Tagen und nur gerade am letzten Tag kamen wir in einen Dauerregen. Wir
genossen die sehr abwechslungsreiche Landschaft und durften an 2 Tagen sogar
Braunbären beobachten. Auch die legendäre, grüne Hütte fanden wir und machten
von ihr Gebrauch. Diese Hütte ist ein Geheimtip und wird von Biker zu Biker
weitererzählt, da sie sich gut als Übernachtung eignet (v.a. bei
Regenwetter). Am letzten Tag überquerten
wir dann den Chilkat Pass und konnten den längsten Downhill (1000 Höhenmeter)
unserer Reise machen. Dieser Tag war ein Dauertest für unsere Kleider und unser
Gepäck – es regnete nur 1x. Wir liessen uns die gute Laune jedoch nicht
verderben und freuten uns unterwegs auf ein warmes, gemütliches Hotelzimmer und eine warme
Dusche...tja, ersten kommt es anders als man denkt - aus dem Hotelzimmer wurde
nichts, da aus unerklärlichen Gründen alle Zimmer im Ort vergeben waren. Später
erfuhren wir, dass eine grosse Reisegesellschaft aus Deutschland ankam und
daher alle Zimmer gebucht hatten. Also, auf eine Zeltnacht mehr oder weniger kommt es nicht
darauf an. So ‚sang’ uns der Regen bald in den Schlaf, morgen wird’s dann
anderst.


2 Kommentare:
Euer reisebericht ist wie ein spannendes buch... Und das gemeine ist, man weiss nie, wann es weiter geht!
Landschaftlicht sieht es hier im engadin, wo wir gerade noch eine woche ferien machen, zum teil zwar sehr ähnlich aus, aber dies beschränkt sich einfach auf eine viel kleinere fläche!
Weiterhin eine gute und unfallfreie fahrt!
Freue mich auf die fortsetzung!
Ganz liebe grüsse aus scuol, babs und die jungs
Ps. Luca und yannick können nun auf euren fotos wenigstens all die tiere noch sehen, die wir letztes jahr in canada nicht gesehen haben... Super!!!
Hallo ihr zwei
Vielen Dank für euer spannendes Tagebuch. Wir sin immer gespannt wie es weitergeht. Wiir sind schonetwas neidisch (mal abgesehen vom Regen).
Wir wünschen euch weiterhin eine unfallfreie und spannende Reise.
Liebe Grüsse aus Zug
Moni und Gregi
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