Donnerstag, 6. September 2012

Gletscher, Seen und Wüste


Die Fähre ab Juneau brachte uns bei schönstem Wetter in 32 Stunden nach Prince Rupert. Die Überfahrt war traumhaft und gehört zu den schönsten Schifffahrtsrouten der Welt. Übernachtet haben wir auf Deck (quasi 3. Klasse), eingehüllt in unseren Schlafsäcken – ein einmaliges Erlebnis bei Sonnenaufgang auf Deck zu erwachen. Frühmorgens am 2. Tag gingen wir in Prince Rupert von Board und setzten dann unsere Reise in Richtung Prince George fort. Die Temperaturen in Canada waren angenehm warm bis sogar heiss (38 Grad) und wir mussten uns zuerst daran gewöhnen. So radelten wir auf dem Yellowhead Highway und folgten dem Verlauf des Skenna Rivers mit seinen unzähligen Wasserfällen.

Wir haben die Zeit auf dem Schiff genutzt und unsere weitere Reiseplanung gemacht. Mit Schrecken haben wir festgestellt, dass es auch in Amerika irgendwann Winter werden wird und wir etwas viel Zeit im wunderschönen Norden verbracht haben. Da es bis Mt. Robsen doch einige hundert Kilometer zurückzulegen galt, entschlossen wir, ab Smithers den Zug zu nehmen, damit wir einige Tage einsparen konnten. Die Route ab dort ist gemäss anderen Tourenradlern eher langweilig und eintönig.

Wir campierten nach Prince Rupert in einigen schönen Provincal Parks, liessen in Terrace nochmals den Gepäckträger von Patrick - nun fast schon Routine - schweissen und erreichten Smithers ½ Stunden bevor der nächste Zug abfuhr (was natürlich nicht kalkuliert war). Eigentlich hätten wir 1-2 Tage in Smithers bleiben wollen. Der nächste Zug fuhr jedoch erst in 3 Tagen wieder und kurzentschlossen sassen wir bereits im Zugsabteil.

Mit einem nächtlichen Zwischenhalt in Prince  George (80'000 Einwohner, es war aber weniger los als in Zug um die nächtliche Stunde) erreichten wir dann Harvey (in der Nähe von Tête Jaune Cache) nach insgesamt 12 Stunden Zugfahrt. Kaum waren wir als einzige an der Strassenkreuzung ausgestiegen (es hatte keinen Bahnhof), hat uns ein mächtiges Gewitter überrascht. Zum Glück war es bis zum Mount Robson Nationalpark Zeltplatz nur ca. 40 km. Am nächsten Tag wanderten wir in Richtungen Berg Lake, vorbei an diversen Wilderness-Campingplätzen,  durch verschiedene Vegetationszonen und das Tal der Wasserfälle. Es ist beeindruckend, wie die Wassermassen der nahen Gletscher über verschiedenen Stufen zu Tale stürzen.


Als nächstes Ziel stand natürlich Jasper, der Ausgangspunkt für den Icefields Parkway, auf unserem Programm. Vorbei an mehreren Seen beobachteten wir kurz vor der Stadt  einen Schwarzbären, der auf die Strasse lief, um dann sofort wieder umzukehren, als er die Fahrzeuge auf sich zukommen fahren sah. In Jasper verbrachten wir 2 Tage, um den Ort und die Gegend zu erkunden.

Von Jasper aus ging es dann gemütlich über den berühmten Icefields Parkway in Richtung Lake Louise. Wir hatten traumhaftes Wetter und zeitweise das Gefühl, dass wir in einem Bilderbuch radeln. Auf dieser Traumstrecke konnten wir klare Seen (geeignet für ein erfrischendes Nachmittagsbad), Berge und Gletscher bestaunen. Dementsprechend kalt wären die Nächte, vorallem jene in den Tälern (Temparaturen um 0 Grad waren keine Seltenheit). Zu den Favoriten dieser Strecke zählt neben dem Bow Pass, resp. Peyto Lake vorallem das Columbia Icefield. Dieses ist das grösste zusammenhängte Eisfeld südlich der Arktis. Leider ist von der Passhöhe nur ein sehr kleiner Teil sichtbar. Auf einer Wanderung auf den Wilcox Pass hatten wir schöne Ausblicke auf das Columbia Eisfeld und  trafen sogar noch Big Horn Sheep’s auf 2300 m.ü.M., die sich an Menschen gewöhnt zu sein schienen. Sie liessen sich von den verschiedenen Fotografen gerne in entsprechender Pose ablichten.

In Lake Louise sind wir dann Richtung Westen auf dem Trans-Canada Highway 1 abgezweigt und über den Roger Pass nach Revelstoke gefahren. Der Roger Pass gilt als einer der anspruchsvollsten Pässe in Canada – obwohl er nur auf ca. 1400 m.ü.M. liegt. Die Strecke dahin ist ein stetiges auf und ab. Aber dies ist nicht der Grund. Es hat viel Regenwald oben auf dem Pass und es regnet an 2 von 3 Tagen. Wir hatten Glück J. Bei uns regnete es nur an 1 von 2 Tagen. Für uns Radfahrer ist diese Strecke ab Lake Louise zudem vom Verkehrsaufkommen eine Herausforderung. Der Highway 1 wird zur Zeit an diversen Orten auf 4 Spuren ausgebaut.

Heute sind wir nun in Osoyoos angekommen. Unserem letzten Ort hier in Canada. Die Grenze nach Washington, USA, liegt nur 2 km entfernt. Das Okanagan-Valley ist das Wein- und Früchtetal in Canada und sehr mild. Es hat hier sogar Klapperschlagen – sodass wir den Bärenspray eher für diese brauchen würden und von Bären ist weit und breit nichts mehr zu lesen. Zudem ist es aufgrund der vielen grossen Seen ein beliebter Ferien-Ort. Auch liegt die drittgrössere Stadt von BC in diesem Tal. Dementsprechend ist das Verkehrsaufkommen enorm und vor allem am Labor Day-Weekend war es echt stressig und lärmig.

Nun, die nächsten zwei Tage werden wir hier abseits des Highway etwas relaxen, den einen oder anderen Wein probieren und uns auf die nächste Etappe, die Cascade Mountains vorbereiten. Wir sind sehr auf unser nächstes Abenteuer gespannt..

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Cool, endlich wieder ein bericht von euch... Und die bilder sind super... Kommt mir vor, als wäre ich erst gerade dort gewesen... Weiterhin gute fahrt. Liebe grüsse, babs

Feusi hat gesagt…

Faszinierend. Man sitzt im Büro und braucht man mal eine Pause, kann man einfach mit euren Reiseberichten und Bilder abschweifen in eine ruhige, wunderbare Welt. Mir fällt auf, je mehr Strapazen ihr habt, desto entspannter seht ihr aus. Natur als Kur. Geniesst das Langsamsein! Gruess Urs

Lobo hat gesagt…

Ihr zeigt uns so schöne Landschaftsbilder, da wird's uns gerade warm ums Herz. Wir hoffen, dass eure Packträger noch lange halten werden, damit ihr eure Reise fortsetzen könnt. Euch beiden weiterhin eine gute Fahrt.

Anonym hat gesagt…

hi ihr zwei...schon in der wärme unterwegs? wir hängen noch in montana rum bei 30 grad (schwizz) und nehmen nun fährte auf richtung yellowstone. gruss vom grischa-tandem. take care