Die Fähre ab Juneau brachte uns bei schönstem
Wetter in 32 Stunden nach Prince Rupert. Die Überfahrt war traumhaft und gehört
zu den schönsten Schifffahrtsrouten der Welt. Übernachtet haben wir auf Deck
(quasi 3. Klasse), eingehüllt in unseren Schlafsäcken – ein einmaliges Erlebnis
bei Sonnenaufgang auf Deck zu erwachen. Frühmorgens am 2. Tag gingen wir in
Prince Rupert von Board und setzten dann unsere Reise in Richtung Prince George
fort. Die Temperaturen in Canada waren angenehm warm bis sogar heiss (38 Grad)
und wir mussten uns zuerst daran gewöhnen. So radelten wir auf dem Yellowhead
Highway und folgten dem Verlauf des Skenna Rivers mit seinen unzähligen
Wasserfällen.
Wir haben die Zeit auf dem Schiff genutzt und
unsere weitere Reiseplanung gemacht. Mit Schrecken haben wir festgestellt, dass
es auch in Amerika irgendwann Winter werden wird und wir etwas viel Zeit im
wunderschönen Norden verbracht haben. Da es bis Mt. Robsen doch einige hundert
Kilometer zurückzulegen galt, entschlossen wir, ab Smithers den Zug zu nehmen,
damit wir einige Tage einsparen konnten. Die Route ab dort ist gemäss anderen Tourenradlern
eher langweilig und eintönig.
Wir campierten nach Prince Rupert in einigen
schönen Provincal Parks, liessen in Terrace nochmals den Gepäckträger von
Patrick - nun fast schon Routine - schweissen und erreichten Smithers ½ Stunden
bevor der nächste Zug abfuhr (was natürlich nicht kalkuliert war). Eigentlich
hätten wir 1-2 Tage in Smithers bleiben wollen. Der nächste Zug fuhr jedoch
erst in 3 Tagen wieder und kurzentschlossen sassen wir bereits im Zugsabteil.
Mit einem nächtlichen Zwischenhalt in
Prince George (80'000 Einwohner, es war
aber weniger los als in Zug um die nächtliche Stunde) erreichten wir dann Harvey
(in der Nähe von Tête Jaune Cache) nach insgesamt 12 Stunden Zugfahrt. Kaum
waren wir als einzige an der Strassenkreuzung ausgestiegen (es hatte keinen
Bahnhof), hat uns ein mächtiges Gewitter überrascht. Zum Glück war es bis zum Mount
Robson Nationalpark Zeltplatz nur ca. 40 km. Am nächsten Tag wanderten wir in
Richtungen Berg Lake, vorbei an diversen Wilderness-Campingplätzen, durch verschiedene Vegetationszonen und das Tal
der Wasserfälle. Es ist beeindruckend, wie die Wassermassen der nahen Gletscher
über verschiedenen Stufen zu Tale stürzen.
Als nächstes Ziel stand natürlich Jasper, der Ausgangspunkt für den Icefields Parkway, auf unserem Programm. Vorbei an mehreren Seen beobachteten wir kurz vor der Stadt einen Schwarzbären, der auf die Strasse lief, um dann sofort wieder umzukehren, als er die Fahrzeuge auf sich zukommen fahren sah. In Jasper verbrachten wir 2 Tage, um den Ort und die Gegend zu erkunden.
Von Jasper aus ging es dann gemütlich über den
berühmten Icefields Parkway in Richtung Lake Louise. Wir hatten traumhaftes
Wetter und zeitweise das Gefühl, dass wir in einem Bilderbuch radeln. Auf
dieser Traumstrecke konnten wir klare Seen (geeignet für ein erfrischendes
Nachmittagsbad), Berge und Gletscher bestaunen. Dementsprechend kalt wären die
Nächte, vorallem jene in den Tälern (Temparaturen um 0 Grad waren keine
Seltenheit). Zu den Favoriten dieser Strecke zählt neben dem Bow Pass, resp.
Peyto Lake vorallem das Columbia Icefield. Dieses ist das grösste
zusammenhängte Eisfeld südlich der Arktis. Leider ist von der Passhöhe nur ein
sehr kleiner Teil sichtbar. Auf einer Wanderung auf den Wilcox Pass hatten wir
schöne Ausblicke auf das Columbia Eisfeld und
trafen sogar noch Big Horn Sheep’s auf 2300 m.ü.M., die sich an Menschen
gewöhnt zu sein schienen. Sie liessen sich von den verschiedenen Fotografen
gerne in entsprechender Pose ablichten.
In Lake Louise sind wir dann Richtung Westen auf
dem Trans-Canada Highway 1 abgezweigt und über den Roger Pass nach Revelstoke
gefahren. Der Roger Pass gilt als einer der anspruchsvollsten Pässe in Canada –
obwohl er nur auf ca. 1400 m.ü.M. liegt. Die Strecke dahin ist ein stetiges auf
und ab. Aber dies ist nicht der Grund. Es hat viel Regenwald oben auf dem Pass
und es regnet an 2 von 3 Tagen. Wir hatten Glück J. Bei uns
regnete es nur an 1 von 2 Tagen. Für uns Radfahrer ist diese Strecke ab Lake
Louise zudem vom Verkehrsaufkommen eine Herausforderung. Der Highway 1 wird zur
Zeit an diversen Orten auf 4 Spuren ausgebaut.
Heute sind wir nun in Osoyoos angekommen.
Unserem letzten Ort hier in Canada. Die Grenze nach Washington, USA, liegt nur
2 km entfernt. Das Okanagan-Valley ist das Wein- und Früchtetal in Canada und
sehr mild. Es hat hier sogar Klapperschlagen – sodass wir den Bärenspray eher
für diese brauchen würden und von Bären ist weit und breit nichts mehr zu
lesen. Zudem ist es aufgrund der vielen grossen Seen ein beliebter Ferien-Ort.
Auch liegt die drittgrössere Stadt von BC in diesem Tal. Dementsprechend ist
das Verkehrsaufkommen enorm und vor allem am Labor Day-Weekend war es echt stressig
und lärmig.

4 Kommentare:
Cool, endlich wieder ein bericht von euch... Und die bilder sind super... Kommt mir vor, als wäre ich erst gerade dort gewesen... Weiterhin gute fahrt. Liebe grüsse, babs
Faszinierend. Man sitzt im Büro und braucht man mal eine Pause, kann man einfach mit euren Reiseberichten und Bilder abschweifen in eine ruhige, wunderbare Welt. Mir fällt auf, je mehr Strapazen ihr habt, desto entspannter seht ihr aus. Natur als Kur. Geniesst das Langsamsein! Gruess Urs
Ihr zeigt uns so schöne Landschaftsbilder, da wird's uns gerade warm ums Herz. Wir hoffen, dass eure Packträger noch lange halten werden, damit ihr eure Reise fortsetzen könnt. Euch beiden weiterhin eine gute Fahrt.
hi ihr zwei...schon in der wärme unterwegs? wir hängen noch in montana rum bei 30 grad (schwizz) und nehmen nun fährte auf richtung yellowstone. gruss vom grischa-tandem. take care
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